Die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel ist 25 Jahre alt
Der Bundespräsident verewigt sich auf Schiefer
Die Beueler Gesamtschule empfängt Johannes Rau zum 25. Jubiläum - 170 Schüler stehen mit Tomatenfackeln Spalier
Grußwort des Bundespräsidenten Johannes Rau beim Festakt "25 Jahre Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel" am 07. November 2003 (Quelle: Bulletin der Bundesregierung)
Beuel. Staatsgäste mit Tomaten zu empfangen zählt normalerweise zu den weniger schönen Gesten. Handelt es sich bei dem Gemüse jedoch um Fackeln aus Pappe, bewahren auch die Protokollchefs Ruhe. Mit ihren Leuchten im Spalier stehend begrüßten am Freitagnachmittag 170 Schüler der Beueler Gesamtschule Bundespräsident Johannes Rau.
Der Besuch des Bundespräsidenten war der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der wegen ihrer Farbe liebevoll genannten "Tomatenschule". Schülerlotsen wiesen den gepanzerten Limousinen den Weg zum Gebäude. Hier wurde Rau von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann und Schulleiter Jürgen Nimptsch abgeholt und in die Aula geführt.
Eröffnet wurde die Feierstunde von Jugendlichen auf Rollerblades, die anhand von Schlagzeilen des General-Anzeigers die Geschichte ihrer Schule in Kurzform wiedergaben. Oberbürgermeisterin Dieckmann wies in ihrem Grußwort auf ihren eigenen Werdegang als Lehrerin hin - denn der begann an einer Gesamtschule in Köln. Sie belegte den Erfolg der Schule mit Zahlen: Für das laufende Schuljahr habe die Gesamtschule wieder 500 Anmeldungen für 170 Plätze verzeichnet. Dieckmann verteilte auch Lob: "Ich bin stolz darauf, dass wir die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel in unserer Stadt haben."
Ehrengast Rau betonte in seiner Rede dagegen die Schwierigkeiten, die diese Schulform zu Anfang gehabt habe: "Viele Eltern haben die Einrichtung von Gesamtschulen begrüßt, ihre Kinder dann aber doch lieber auf ein angesehenes Gymnasium geschickt." Die Beueler Schule sei jedoch ein lebendiger Beweis dafür, wie wichtig es sei, unterschiedlich begabte Kinder in einem Klassenverbund gemeinsam lernen zu lassen. "Die Schule hat sich in den 25 Jahren seit ihrer Gründung immer wieder neu bemüht, die Vielfalt und Verschiedenheit in ihrer Schülerschaft als Chance zu nutzen", sagte Rau. Das Ergebnis seien viele Projekte, die weit über den schulischen Alltag hinaus reichten.
Einem dieser Projekte wurde am Freitag eine besondere Rolle zuteil. Mit einer Installation aus dem Technikunterricht löste Lehrer Falk Keuten eine faszinierende Kettenreaktion über mehrere Räume hinweg aus, die den von der Stadt Bonn gestifteten neuen Aufzug in Gang setzte. Experiment gelungen.
Nach der offiziellen Feierstunde verewigte sich der gut gelaunte Bundespräsident gleich doppelt in den Gästebüchern der Schule. In dem konventionellen hinterließ er seinen Namenszug auf Papier. Mit einem Spezialstift meißelte er anschließend seine Unterschrift auf eine kleine Schiefertafel.(General-Anzeiger, 07.11.2003)
Bundespräsident lobt die Gesamtschule
Bundespräsident Johannes Rau (SPD) plädiert dafür, sich erneut mit der Gesamtschulidee zu befassen. Die Pisa-Studie habe gezeigt; dass Länder, die ihre Schüler "deutlich länger zusammen lernen lassen", bessere Ergebnisse erzielten, sagte er am Freitag aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Gesamtschule Bonn-Beuel. Auch, wenn man keine Neuauflage des alten Gesamtschulstreits wolle, solle man sich doch "neuen Erkenntnissen und Einsichten" nicht verschließen. Nach Pisa stelle sich die Frage, "ob die frühe Auslese im deutschen Schulsystern nicht mit dafür verantwortlich ist, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler so enttäuschend abgeschnitten haben".
(DER TAGESSPIEGEL, Berlin, 08.11.2003)
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Stand: 2003-12-04 Hauptseite