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Yukinobu Hoshino: 2001 Nights
Reise ins Übermorgen
Rezension von Tycho Schottelius (18 Jahre)
"2001 Nights" ist eine Science-Fiction Comic-Trilogie, geschrieben und gezeichnet von einem japanischen Comic-Künstler, über den ich rein gar nichts in Erfahrung bringen kann. Aber dieser Weltraum-Roman reicht aus, um mir persönlich zu zeigen, daß Yukinobu Hoshino einer der erfahrensten japanischen Comic-Künstler sein muß.
Das epische Werk besteht aus ungefähr 750 Seiten mit durchschnittlich fünf und mehr Zeichnungen. All das hat er ganz allein gezeichnet, eine unglaubliche Arbeit.
Die Handlung ist schnell erklärt: Der Aufbruch der Menschheit ins Universum.
Hoshino erzählt seine Visionen über die Entwicklung der Menschheit in 19 verschiedenen Nächten (Kapiteln). Er beginnt mit einem Treffen der wichtigsten Poltiker der Erde, dem Präsidenten der USA und Rußlands. Sie unterzeichnen einen Friedensvertrag und beschließen, gemeinsam das Universum zu bereisen.
In den folgenden Kapiteln werden nun in kurzen Einblicken die Abenteuer verschiedener Charaktere beleuchtet, wie sie daran Teil haben das Universum zu erforschen. Manche dieser Geschichten sind völlig unabhängig voneinander, andere bauen aufeinander auf. Hoshino betrachtet vor allem ein Gesamtgeschehen, dessen Entwicklung durch alle drei Bücher fortgesetzt wird.
Weil es nicht die nötige Technik gibt, um das Weltall großräumig zu bereisen, werden gefrorene menschliche Ei- und Samenzellen auf einen vorbeifliegenden Kometen geschossen um neue Planeten zu besiedeln. Nach einigen hundert Jahren entdeckt der Bordcomputer einen passenden Planeten und richtet dort eine Kolonie ein.
In der Zwischenzeit gelang es den Menschen dank einer neuen Technologie mit Lichtgeschwindigkeit zu reisen. Schließlich finden sie auch die Weltraumkolonie. Eine interessante Begegnung zwischen Generationen wird im abschließenden Kapitel des Romans erzählt.
Der Titel "2001 Nights" ist sowohl eine Anspielung auf den berühmten Science-fiction-Film "2001 - Odyssey in Space" von Stanley Kubrick (nach der Vorlage von A. C. Clarke) als auch auf die arabische Märchensammlung "1001 Nacht". Hoshino gestaltet das gleiche Gefühl vom stillen und unendlichen Universum wie Stanley Kubrick. Seine Geschichten sind sehr spannend und ungewöhnlich.
Meine Meinung
Beim Lesen der Trilogie war mir, als würde ich einen der faszinierendsten Science-Fiction-Filme sehen, den ich mir vorstellen kann.
Hoshino versucht stets realistisch zu bleiben und hält sich dicht an den modernsten Erkenntnissen der Weltraum-Forschung. Er versucht ein klares Bild vom Übermorgen zu geben und ich persönlich kann mir gut vorstellen, wie seine Visionen Wirklichkeit werden. Er verbindet außerdem unterhaltsame Weltraum-Epik mit philosophischen und religiösen Vorstellungen. Nebenbei gibt er uns eine klare Idee vom Leben nach dem Tod und außerirdischen Lebensformen ohne mit Klischees zu langweilen.
Hoshino ist außerdem ein fantastischer Comic-Künstler. Er besitzt überragende Fähigkeiten im naturalistischen Zeichnen und arbeitet sehr akkurat. Er versteht es, US-amerikanische mit japanischen Comic-Stil-Elemeneten zu verbinden. Auch weiß er seine Geschichten vortrefflich in Bilder zu bringen. Die Anordnung der einzelnen Bilder ist sehr gelungen und die Wirkung schlichtweg atemberaubend.
Dieser Comic-Roman ist einfach eine durch und durch gelungene Verbindung von umfassender Science-fiction-Erzählung und realistischer Comic-Kunst. Und er gibt uns einen Einblick eines östlichen Künstlers in unsere westliche Kultur - das ist sehr selten.
© First published by Futabasha, Inc, in Japan, 1996
Published in Canada 1996 by Cadence Books, Inc., San Francisco, Canada.
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Stand: 29.03.1998 Hauptseite Bücherwurm Aktuelles