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George Orwell: 1984


Rezension von Marc Drolshagen (Jahrgangsstufe 13)

Buchtitel Die drei Supermächte Ozeanien, Eurasien und Ostasien führen permanent Krieg miteinander. Auf britischem Boden hält die politisch-intellektuelle Elite der "Inner Party" (mit dem "Grossen Bruder" an der Spitze) die Funktionäre der "Outer Party" mit der sie ständig bespitzelnden Gedankenpolizei in einem Zustand der Angst. Davon ausgenommen ist das gemeine Volk, die "Proles", das dennoch in geistiger Unmündigkeit dahinvegetiert. Unter diesen Bedingungen herrschen weder Wahrheit noch Gerechtigkeit.
Ausgangspunkt des Romans ist Orwells Befürchtung, die englischen Intellektuellen könnten entgültig den Lockungen totalitären Machtdenkens erliegen. Durch die aktualisierende, "natürliche" Verankerung des Textes, meinte Orwell mit der in ferneren Zukunft spielenden Utopie an das Selbstverständnis des Lesers der Nachkriegszeit appellieren zu müssen.

Das Schicksal des 39jährigen im Propagandministerium arbeitenden Protagonisten Winston Smith versinnbildlicht die vorhergesagten polititschen Gefahren. Smith steht zwischen den "Proles" und der obersten, am Erhalt der Macht um ihrer selbst willen interressierten Schicht. Vor allem seine Träume weisen auf eine dem wirtschaftlichen Überlebenskampf entstammende sozialdarwinistische Ideologie des notwendigen Opfers und des Recht des Stärkeren hin. Smith artikuliert seinen Dissens noch bewußter in einem Tagebuch, rekurriert damit auf verpönte Weise Werte wie Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Individualität. Mit der Hoffnung, die Proles könnten einen politischen Wandel herbeiführen, bedenkt Smith nicht, daß unter den gegebenen Verhältnissen die hegemoniale Kultur kein revolutionäres Bewußtsein zu entwickeln gestatten.
Desweiteren ist jedoch das geheime Leibesverhältnis zu Julia in einer vermeintlich ausgegrenzten Idylle Ausdruck seiner Auflehnung. O'Brien, dem Smith vertraut, verurteilt die Rebellion jedoch zum Scheitern. Dieser gibt ihm Emmanuel Goldsteins Buch "The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism". Was Smith darin über Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit erfährt, dient aber letztendlich doch nur seiner Manipulation. Nach seiner Festnahme im "Ministry of Love" wird Smith im Innersten zerstört und umstrukturiert. Mit Bildern und Metaphern (Versinken im Meer der Bewußtlosigkeit) wird dieser Veränderungsprozeß angedeutet. Vor allem bei der Konfrontation mit den aggressiven Ratten in einem den Kopf umgebenden Käfig zeigt sich die absolute Plastizität der menschlichen Natur. Der Roman endet mit einem Essay über die Grundlagen des sogenannten "Neusprech" (Vereinfachungstendenz der englischen Sprache).


Ein Internet-Projekt der Integrierten Gesamtschule Bonn-Beuel


Stand: 27.03.1998
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