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Clifford Stoll: Die Wüste Internet
Rezension von Hannes Rohde
Sein Debüt als Autor gab Clifford Stoll vor einigen Jahren mit dem Sach-Krimi "Das Kuckucksei". Dort erzählte er die wahre Geschichte seines Katz- und Mausspiels mit deutschen Hackern, die den von ihm verwalteten Universitätsrechner mißbrauchten, um an geheime Informationen der US-Regierung zu kommen.
Als dieses Buch erschien, war das Internet noch einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern und Computerfreaks vorbehalten; der medienwirksame Begriff der "Datenautobahn" war für die meisten Menschen noch unbekannt.
Inzwischen hat sich vieles geändert: Das Internet ist zu einem Massenmedium geworden, und kein Tag vergeht, an dem nicht in einer Zeitung über das Internet und die unbegrenzten Möglichkeiten, die es angeblich bietet, berichtet wird. Internet-Adressen sind Statussymbole geworden, und es gilt als schick, in seiner Freizeit im Internet zu "surfen".
In "Die Wüste Internet" wird dieser ganze Rummel in einem kritischen Licht betrachtet: Stoll, der seit den Anfangszeiten mit dem Internet gearbeitet hat, hinterfragt in seinem neuen Buch konsequent die überall angepriesene "schöne neue Welt" des Internets, und kommt zu einem ernüchternden Schluß: die allgemeine Euphorie kann er nicht bestätigen; vielmehr zeigt er an unzähligen Beispielen, daß das Internet für viele Aufgaben keine Hilfe ist. Was nützt einem Schulkind die Möglichkeit, über das Internet den Buchbestand der Kongreßbibliothek abzufragen, wenn diese Bibliothek keine Bücher verleiht?
Meine Meinung
Diese plötzliche Kehrtwendung des Autors ist etwas verwunderlich: Während er sich in "Das Kuckucksei" noch als begeisterten Computerfreak darstellte, der Tag und Nacht für "seinen" Computer da war, präsentiert er sich nun in Fernsehinterviews hippie-like im Schneidersitz in seinem Garten und philosophiert über ein Leben ohne Computer. Die so gewonnene weise Erkenntnis gibt, obwohl sie durchaus nachvollziehbar ist, dem Buch eine etwas belehrende Note.
Trotzdem hat Stoll meiner Meinung nach recht: Wer sich selbst mit dem Internet beschäftigt hat, muß eingestehen, daß es noch an vielen Stellen krankt, und daß die überall geschürten Erwartungen keineswegs erfüllt werden.
Gemeinsam ist den beiden Büchern jedoch die gute Lesbarkeit auch für Computer-Laien: Durch die lockere Sprache, den schon auf dem Buchumschlag angepriesenen "trockenen Humor" und zahlreiche persönliche Anekdoten aus Stolls Leben ist das Buch interessant und amüsant, obwohl es sich nicht wie sein Vorgänger als Roman mit einem Handlungsstrang lesen läßt.
In dieser Hinsicht ist der Untertitel der Englischen Ausgabe, "second thoughts on the Information Highway", treffender gewählt worden.
© Originalausgabe: "Silicon Snake Oil. Second Thoughts on the Information Highway", Verlag Doubleday, New York u.a., 1995
© deutsche Ausgabe: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 1996
Zum Verfasser
Hannes Rohde ist ehemaliger Schüler der Gesamtschule Bonn-Beuel (Abitur 1996). Er studiert Informatik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn.
Ein Internet-Projekt der Integrierten Gesamtschule Bonn-Beuel
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Stand: 29.03.1998 Hauptseite Bücherwurm Aktuelles