Hermann Hesse: Siddhartha

Rezensent ist bekannt

Siddhartha ist der Sohn eines Brahmanen, der ihn als einen Weisen und Priester heranwachsen sieht. Govinda, sein Freund, liebt und verehrt Siddhartha über alles. Er weiß, daß Siddhartha keiner von diesen Brahmanen wird und glaubt zu spüren, daß Siddhartha sie bald alle verlassen wird, und Govinda hat recht. Doch Govinda hat nicht vor, von der Seite seines Freundes zu weichen.

Siddhartha fühlt sich in seiner Weisheit unbefriedigt und weiß, daß seine Lehrer ihm nichts mehr beibringen können. So beschließt er, auch ohne Einwilligung seines Vaters, ein Samane zu werden. Er verläßt sein Dorf und somit seine Eltern, aber nicht, ohne daß Govinda ihn begleitet.

Bei den Samanen lernen die beiden zu fasten, die Kunst der Versenkung und der Entselbstung. Doch Siddhartha erkennt bald, daß das alles nur ein Entrinnen vor dem Ich ist, eine kurze Betäubung gegen den Schmerz und vor dem Leben.

Nach drei Jahren erfahren die beiden durch verschiedene Leute von einem Buddha, dem Gotama. Er soll das Leid des Lebens überwunden haben und an alle, die es hören wollen, verkündet er seine Lehre. Diesmal ist es Govinda, der vorschlägt, den Gotama aufzusuchen und seine Lehre zu hören.

Der Abschied von den Samanen fällt Siddhartha schwerer, als er geglaubt hatte. Noch dazu wird der Älteste der Samanen böse über das Vorhaben der beiden. Doch nicht umsonst hat Siddhartha gelernt, wie man jemanden willenlos macht. So verlassen Govinda und Siddhartha die Samanen und ziehen los.

Schon sehr bald treffen die beiden auf Buddha. Sie begleiten ihn einen ganzen Tag bei seinem Bettelgang und hören am Abend seine Lehre. Govinda beschließt, dem Buddha zu folgen und ein Jünger zu werden. Doch Siddhartha kann diese Lehre nicht annehmen. Nicht, weil er sie unbedingt falsch findet, sondern er will allein sein Ziel erreichen oder lieber sterben. Denn bei Gotama hat Siddhartha die Erkenntnis gefunden, daß er von sich selbst lernen muß. So ist Siddhartha auch froh, daß Govinda nun seinen eigenen Weg gefunden hat und nicht nur ein Schatten Siddharthas ist.

Als Siddhartha nach einer langen Wanderung durch die Wälder bei einem Fährmann Unterschlupf findet, ist er froh. Doch da er weiter will, bleibt er nicht lange.

In einer entfernten Stadt lernt Siddhartha die schöne und begehrenswerte Kurtisane Kamala kennen, die er schon bald zu seiner Lehrmeisterin wählt. Er gewinnt ihre Zuneigung, doch bevor er sie wiedersehen darf, muß er gut gekleidet sein, Geld haben und ihr Geschenke machen können. Das gelingt ihm bald, da er durch Kamalas Hilfe bei dem reichsten Kaufmann der Stadt als Gehilfe eingestellt wird und auch bei ihm wohnen kann.

Siddharthas Gabe zu denken, zu warten und zu fasten kommt ihm hier sehr zugute. Durch seine glückliche Hand für Geschäfte wird er schnell des Kaufmanns geschätzter Mitarbeiter. Doch sein Samanentum trennt ihn auf gewisse Weise von den Menschen. Er findet ihre Art vor sich hinzuleben nicht gut.

Da Siddhartha jetzt sehr viel Geld verdient, kann er es sich leisten, Kamal jeden Tag zu besuchen und wird so ihr Freund, Liebhaber und Schüler. Kamala lehrt ihn die Kunst des Liebens.

So lebt Siddhartha viele Jahre in der Welt des Geschäfts und ist mit der Zeit sehr reich geworden. Er besitzt sein eigenes Haus und seine eigene Dienerschaft. Mittlerweile hat er auch das größte Laster, das er bei anderen am meisten verachtet hat: die Habgier.

Er hat die Gelassenheit bei Verlusten, beim Verleihen von Geld und die Lust am Verschenken verloren.

Durch einen Traum, der ihn ermahnt, schreckt Siddhartha aus seinem jetzigen Leben auf, das ihm nur noch wertlos und sinnlos erscheint. Nach dieser Nacht verläßt er die Stadt und kehrt nicht mehr zurück. Der Kaufmann läßt nach Siddhartha suchen, doch ohne Erfolg.

Kamala hingegen hatte so etwas schon geahnt. Sie empfängt seit diesem Tag keine Besucher mehr und bemerkt, daß sie von Siddartha schwanger ist.

Siddhartha durchwandert derweil den Wald und kommt an die Stelle, wo der Fährmann lebt. Er will sich in den Fluß stürzen, doch auf einmal erklingt in ihm das Anfang und Schlußwort der brahmanischen Gebete und er fällt in einen tiefen Schlaf. Bei seinem Erwachen sitzt Govinda vor ihm, der ihn zunächst nicht erkennt, da Siddhartha noch seine vornehmen Kleider trägt. Nach einer kurzen Unterhaltung pilgert Govinda weiter.

Siddhartha erkennt, daß ihn bislang zuviel Wissen gehindert hatte, sein Ich zu finden. Nun sieht er ein, daß ihm kein Lehrer helfen konnte. Er hat seine eigenen Erfahrungen in der Welt machen müssen und beschließt, den Fluß nicht mehr zu verlassen.

Er wird von dem Fährmann Vasudeva aufgenommen, der schnell erkennt, daß Siddhartha von dem Fluß das Zuhören lernen will. So gehen die Jahre dahin und viele halten die beiden für Brüder. Als die Nachricht umhergeht, daß der Tod des Buddhas sehr nah sei, machen sich viele Mönche und auch Reisende auf den Weg zu Gotama, unter ihnen auch Kamala mit ihrem Sohn Siddhartha. Doch sie wird von einer Schlange gebissen und Vasudeva, der sie findet, bringt die beiden zu der Hütte.

Kamala und Siddhartha erkennen sich wieder, doch die Hilfe kommt zu spät und Kamala stirbt an dem Schlangenbiß. Siddhartha versucht die Liebe seines Sohnes zu gewinnen, was ihm jedoch mißglückt. Vasudeva rät ihm, seinen Sohn zurück in die Stadt, in seine Welt, zu bringen, aber Siddhartha will seinen Sohn nicht aufgeben.

Eines Morgens ist sein Sohn verschwunden. Vasudeva versucht, Siddhartha davon abzubringen ihn zu suchen, aber Siddhartha zieht trotzdem los. Am früheren Haus von Kamala erkennt er die Vergeblichkeit des Suchens und kehrt zu der Hütte zurück.

Lange Zeit schmerzt ihn der Verlust seines Sohnes, bis er durch den Fluß zur Erkenntnis der Vollendung kommt. Seitdem geht in Siddhartha eine Wandlung vor, er hört auf zu leiden. Vasudeva, der dies erkennt, verläßt ihn um zu sterben.

Govinda hört von einem alten, weisen Fährmann und geht zu ihm, um seine Lehre zu hören. Govinda erkennt in dem Fährmann seinen alten Freund Siddhartha wieder und ist erfreut, ihn noch einmal zu sehen. Der aber erklärt Govinda, daß es nicht auf das Suchen, sondern vielmehr auf das Erkennen ankommt. Govinda kann ihn nicht verstehen und fragt immer wieder nach einer Lehre.

Siddhartha versucht Govinda deutlich zu machen, daß Weisheit nicht vermittelbar ist. Siddhartha erklärt, daß er die Welt lieben und nicht sie verstehen oder sogar hassen möchte. Govinda sieht darain einen Widerspruch zu Gotamas Lehre und ist damit nicht einverstanden. Als er sich dann verabschieden will, bittet ihn Siddhartha um einen Kuß auf die Stirn. Während Govinda noch an die Worte Gotamas und Siddharthas denkt, geschieht ihm plötzlich etwas Eigenartiges. Er sieht einen Fluß von Hunderten von Gesichtern, die sich ständig verändern und doch alle Siddhartha sind. Nun küßt er Siddhartha auf die Stirn, verneigt sich und dankt dem Lächeln, das ihn an alles erinnert, was er jemals geliebt hat.

Meine Meinung

Bei diesem Buch hat mich das Thema sehr interessiert. Man wird angeregt, sich über das östliche Denken, den Hinduismus, Buddhismus und Taoismus zu informieren.

Auch der Stil, die dichterische Schreibweise, macht das Buch faszinierend.


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