Expo 2000 – Der Mensch im Spannungsfeld von Natur und Technik.
Am 19.06. 2000, zwei Tage vor ihrer Entlassfeier, machten sich 90 Schülerinnen und Schüler, begleitet von ihren Tutoren Hiltrud Bennemann, Sabine van Eldik, Bernd Martinius und Hartmut Tiede auf den Weg nach Hannover, den Ort, auf den zur Zeit das Auge der Welt schaut – zur Weltausstellung.
Die Idee dieser Expo wird beschrieben als Präsentation von Visionen, Modellen und praktischen Beispielen, wie das Zusammenleben von 6 Milliarden Menschen in der Balance zwischen Natur und Technik möglich ist oder sein kann.
Nach 4 Stunden Busfahrt begannen wir am Eingang Süd unsere Weltreise zu Fuß sehr symbolträchtig mit dem Besuch des Pavillon of Hope – dem gläsernen Pavillon in Form eines Walfisches. In seiner Mitte steht der Baum der Hoffung, der umso größer wird, je mehr Blätter er von den Besuchern bekommt. Diese gestalten sie, indem sie ihren Wünschen, Vorstellungen und Hoffnungen Ausdruck verleihen.
Gegenüber liegt das Wüstenfort der Vereinigten Emirate. Ein Hauch von "Tausend und einer Nacht" war zu spüren beim Gang durch den Wüstensand an den Palmen entlang zu den Zelten, in denen der Bazar mit den Gewürzen (allein die Farben, vom Geruch ganz zu schweigen!) und anderen landesüblichen Waren bestück war. Am Ausgang erwartete den Gast eine gemütliche Sitzecke, in der wasserpfeifenrauchende männliche Landesbewohner saßen, die in gastfreundlicher Geste ihre Pfeifen den Besuchern anboten. Die Schülerinnen und Schüler waren fasziniert.
Auf dem Weg zur Expo Plaza kamen wir an vielen Länderpavillons vorbei. Alle zeigten ihre Besonderheiten:
Der Estlandpavillon fiel ins Auge durch seinen künstlichen Fichtenwald (von weitem sah es aus wie Möhren), der das Dach bildet und es schien, als würde ein darüber streifender Wind die Bäume in Bewegung versetzen.
sBeim Pavillon der Niederlande – eines der spektakulärsten Gebäude der Expo – konnte uns auch die Warteschlange nicht abschrecken. Nach 15 Minuten fuhren wir mit dem Aufzug auf 40m Höhe und stiegen mit vielen "Ah's" und "Oh's" aus, denn wir fühlten uns versetzt an den Nordseestrand mit Dünen, Wasser und 6 Windmühlen. Beim langsamen Hinuntergehen durchquerten wir einen 12m hohen, frisch angepflanzten Wald – den einige Besucher als höchst willkommene Rast und Picknickstelle gleich sinnvoll benutzten. Es roch nach Waldboden und wir stiegen über Wurzeln. Toll. Darunter kam die Etage der Hollandblumen in den Farben gelb und rot – ein vertrautes Bild. Mit ihrem Pavillon wollen die Niederlande Bezug nehmen auf ihre Tradition, dem Meer das Land abzutrotzen nach dem Motto: Holland schafft Raum.
Alle trafen sich um 13.30 Uhr auf dem Expo Plaza und die vielen Wasserstrahlen von unten waren an diesem Tag ein notwendiger Kontrapunkt zu den Sonnenstrahlen von oben. In Einzelgruppen ging es weiter bis zu unseren Führungsterminen um 15.00 Uhr: Technik (Halle 2) und Umwelt (Halle 13).
Hier nun weitere Impressionen:
- Bambohaus – ein preisgünstiger, umweltfreundlicher, erdbebensicherer Pavillon beherbergt ZERI (Zero Emissions Research Initiative ).
- Japans Pavillon aus Papier – in der Message Zone wird auf die Notwendigkeit von CO2-Reduktion und Lösungsmöglichkeiten der Japaner hingewiesen.
- Der rumänische Pavillon zeigt eine neue Dimension der Gebäudestruktur; Pflanzen verbinden und verdecken das Gitter des Gerüstaufbaus und symbolisieren damit ein geschmeidiges, mulilineares Netz von Verflechtungen, Verstrickungen und Verwicklungen.
- Die Außenhaut des Korea-Pavillons besteht aus Fliesen, die einen ungehinderten Luftaustausch ermöglichen und im Sonnenlicht bunt aufleuchten.
- Den Werkstoff des spanischen Pavillons erkannten wir deutlich am Geruch: Kork
- Ein besonderes Kunstwerk ist die Zeichentrickfigur Pinocchio von Paul McCarthy. Sie enthält entgegen den Ankündigungen keine Schokoladenfabrik. Die lange Nase deutet trotz Verniedlichung in Disney-Manier auf die Tabubrüche und Verlogenheiten unserer Zeit hin.
- Zuletzt sahen wir den Themenpark Planet of Visions. Mit Hilfe unsere Führerin kamen wir durch den VIP-Eingang hinein und umgingen so die lange Warteschlange. Gott sei Dank, denn die Zeit lief uns schon langsam davon.
Dort gab es unendlich viel zu sehen: Vom Paradies – zum Greifen(!) nahe – kommt man zum größten Gemälde der Welt, einem gigantischen Panorama der Utopien: Träume, Visionen und Ideen lieferten immer die Energie und Kraft, die Zukunft zu gestalten, unabhängig von den Katastrophen, die häufig genug auftraten. Kontrastreich geht es weiter hinauf ins 21. Jahrhundert und langsam wieder bergab auf Ausgrabungswegen in die Gegenwart.
Dann gab es noch den mit Spannung erwarteten Besuch des WWF Pavillons, denn der 10. Jahrgang hat ein Puzzleteil von der Landkarte des Lebens erworben. Wie kam es dazu?
2 km2 Regenwald besitzen wir ja schon!
Der WWF wendet sich erneut an die öffentlichkeit mit einer großartigen Vision zur Rettung der biologischen Vielfalt. Es ergeht ein aufrüttelnder Appell gegen das globale Artensterben. Wenn 232 über die ganze Welt verteilte Schlüsselregionen – die wahren Schatzkammern der Natur - erhalten werden, können laut WWF weltweit 90 Prozent der noch existierenden Tier- und Pflanzenarten gerettet werden. André Heller, der bekannte österreichische Multimedia-Künstler leistet mit der Gestaltung des Living Planet Square seinen Beitrag "um das kollektive Bewusstsein, ... zu(r) Thematik der Umwelt für alle, die unseren Planeten lieben, zu verändern und zu verfeinern. Die Kluft zwischen Erkenntnis und daraus resultierender Konsequenz darf nicht länger unüberbrückt bleiben". Und der zweite beteiligte Künstler Stefan Szczesny ergänzt: "Meine Keramikbilder sind ein Plädoyer für die Schönheit der Natur. Ich wünsche mir, dass die Weltkarte des Lebens einen Impuls für eine lebensbejahende Weltsicht geben kann."
Im Wattenmeer ist nun ein Puzzlestein versehen mit der Aufschrift: "Gesamtschule Bonn-Beuel 10. Jahrgang 2000".
Und was geschah dann? Karl Gustav, König von Schweden, besucht ebenfalls den WWF Pavillon und wir schauten zu, wie es sich alles genau erklären ließ.
Es war schön zu sehen, wie uns auf ungewöhnliche, künstlerische Weise dokumentiert wurde, dass wir Verantwortung für das überleben unseres Planeten übernommen haben. Auf unserer Urkunde heißt es weiter:
"Auf der "Weltkarte des Lebens" ... haben sie mit Ihrem Puzzleteil ein bleibendes Zeichen gesetzt. Durch Ihre Unterstützung ist das Ziel der WWF-Initiative "Global 200" wieder ein Stück näher gerückt: die biologische Vielfalt unseres Planeten in das nächste Jahrtausend zu retten. Denn jeder von uns ist ein Teil des Netzwerkes des Lebens. Mit ihrem Engagement helfen sie bewahren. Danke."
Es war am 19.06.2000 auf der Expo entsetzlich heiß, es gab Warteschlangen, Essen und Gertänke waren teuer, doch es war ein Fest der Sinne, wie ein Schüler sagte.
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Stand: 22.08.2000 Hauptseite Aktuelles