Säkulare Tafelrunde '97
"Das Letzte Abendmahl" von Leonardo da Vinci in einer Adaption von Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule Bonn-Beuel"
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Noch vor der Projektwoche des Jahres 1997 erreichte die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel der Aufruf der "Welthungerhilfe", einen künstlerischen Beitrag zur geplanten Ausstellung "Wir haben den Hunger satt!" zu leisten.
Auch wir wollten unsere Forderung nach gerechterer Verteilung der Güter dieser Welt zum Ausdruck bringen und zeigen, dass diese Gerechtigkeit unter den Menschen heute noch nicht erreicht ist. Gleichzeitig, so meinten wir, sollte ein Zeichen der Hoffnung gesetzt werden, dass wir noch nicht am Ende aller Entwicklungen stehen und Veränderungen noch möglich sind.
Bei dieser Zielsetzung lag es nahe, das "Cenacolo" von Leonardo da Vinci in der Mailänder Kirche Santa Maria delle Grazie als Ausgangsbild zu benutzen. Unsere Überlegungen sahen vor, dass die grundsätzliche Komposition des Bildes erhalten bleiben sollte, ebenso die Gesten der Apostel. Waren von Leonardo die handelnden Figuren in der Zeit der Renaissance angesiedelt worden, so sollte unsere Arbeit von der heutigen Zeit berichten. Dabei entschieden wir uns dazu, dass die von Leonardo als Apostel dargestellten Figuren verändert werden sollten, hin zu einer Darstellung der Völker der Welt, die, in Auseinandersetzung um das Brot begriffen, in heftigen Streit geraten seien. Sichtbarer Ausdruck unserer Ansicht war es, dass wir auch den gedeckten Tisch dahingehend veränderten, dass die Güter dieser Welt auf ungerechte Weise verteilt sind. Während die Menschen des Westens vor reichgedecktem Tisch agieren, bleibt den Armen, am anderen Ende der Tafel, kaum mehr als ein zerrissenes Tischtuch.
Zwischen den Künstlern kam es zu einer grundsätzlichen und umfangreichen Kontroverse, wie auf die von Leonardo ins Zentrum gesetzte Gewalt des Jesus Christus eingegangen werden sollte. Herrschte einerseits die Auffassung vor, dass man diesen zentralen Bildteil einfach weglassen sollte, gewissermaßen als Ausdruck für absente Hoffnung, so entschied sich die Projektgruppe nach langen Überlegungen dazu, Christus in dem von Leonardo vorgegebenem Ausdruck zu belassen und ihn auf diese Weise aus unserer Bildwirklichkeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts herauszuheben. Die Vorstellung, so ganz auf Hoffnung zu verzichten, erschien letztlich allen als nicht erstrebenswert. Und, so wurde formuliert, sei es doch tröstlich, dass man "jemanden habe, an den man sich wenden könnte, und sei es mit Anklagen".
Der Innenraum, der die Tafelrunde beherbergt, erfuhr durch die Schülerinnen und Schüler ebenfalls eine bedeutende Veränderung. Einerseits beließen wir ihn in seiner zentralperspektivischen Auffassung, andererseits "öffneten" wir die Seitenwände zu großen Fenstern, die einen grandiosen Ausblick auf einen nächtlichen Sternenhimmel ermöglichen. Dadurch verstärkt sich der Eindruck, dass hier die Menschen unserer Erde im Streit versammelt sind und nach Wegen und Auswegen suchen, wie unsere Erde wohnlicher gemacht werden könne und wie sehr zur gleichen Zeit räumliche Enge und die Begrenzheit der Ressourcen die dabei entscheidenden Determinanten sind.
Gestaltet wurde dieser Beitrag von Schülerinnen und Schülern der damaligen Jahrgangsstufen 9, 11 und 13, und zwar in einem Zeitraum von einer Woche. In diesen Tagen wurden über das Verfahren der Tontrennung die Entwürfe gemacht, es wurden Überlegungen angestellt, welche einzelnen Völker und Nationalitäten als repräsentativ für unsere Zwecke gelten könnten und wie sie durch Kleidung und Attribute kenntlich gemacht werden könnten. Günstig für unser Vorhaben war, dass sich viele der Schülerinnen und Schüler untereinander noch nicht gut kannten, dass sie der Wille zur künstlerischen Gestaltung zusammengebracht hatte und dass auf diese Weise die sachorientierte Arbeit Voraussetzung dafür wurde, dass alle zu einer Gruppe werden konnten. Die Austarierung der unterschiedlichen künstlerischen Voraussetzungen, unterschiedliche persönliche Interessen und daraus erwachsene persönliche Konflikte wurden durch die Herausforderung einer großen gemein- samen Aufgabe überwältigt. Die Entwürfe wurden von allen hergestellt, es gab keine "Spezialisten" für das Zeichnen. Ebenso herrschte bei der sich anschließenden Aufgabe des Malens eine ange- nehme Atmosphäre der gegenseitigen Unterstützung und des Lernens voneinander.
Natürlich holten wir uns Hilfe. Ohne unseren Kollegen Hans Bongartz und andere wäre die technische Realisierung kaum möglich gewesen, da dies über unsere persönliche Erfahrung weit hinausging. Insgesamt gab es einundzwanzig Quadratmeter Leinwand zu spannen, und zwar auf fünf unterschiedlich großen Segmenten, die zusammengesetzt erst das gesamte Bild ergaben. Ein sehr solides Untergestell aus Holz mußte gezimmert werden, um die fünf gespannten Leinwände zusammenzuhalten, das seinerseits durch eine sieben Meter lange Eisenstange in Form gehalten wird. Insgesamt verarbeiteten wir ca. 23 Kilogramm Farbe.
Die Arbeit der Projektgruppe erfuhr große Unterstützung von vielen Seiten. Die "Welthungerhilfe" trug durch einen ansehnlichen Geldbeitrag dazu bei, dass die finanzielle Grundlage der Arbeit gelegt werden konnte. Große Förderung erhielten wir aus Mitteln unserer Schule. Einen Sponsoren-Beitrag erhielten wir durch den Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner. Die Bilderrahmenfabrik Randolff aus Grevenbroich,Talstr. 104, schenkte uns die notwendigen 25 Meter Goldleiste, die wir benötigten, um das Bild entsprechend zu rahmen. Unentgeltliche und tatkräftige Beratung erhielten wir von Stanislaw Kurek, Restaurator mit polnischer Ausbildung. Die Cirkusschule Corelli, unter der Leitung von Herrn Kurzhals, stellte uns mehrfach ihren Transporter und den Fahrer Caspar Kreuzer zur Verfügung.
Am 5. Dezember 1997 wurde die "Säkulare Tafelrunde" im Rahmen der Gesamtausstellung vom Veranstalter "Welthungerhilfe" in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublick Deutschland vorgestellt. Danach wurde sie für die Monate Januar bis März 1998 auf Initiative von Staatsse- kretär Härtl ins Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit geholt. Auf der Suche nach einem endgültigen und repräsentativen Platz zur Hängung kam die Projektgruppe auf die Idee, dieses Bild Papst Johannes Paul II. zu überreichen. Dieser nahm das Bild mit Schreiben vom 05.05.98 an und lud mit Schreiben vom 04.12.98 die gesamte Projektgruppe zur Audienz nach Rom ein. Annika Bonn überreichte für die Gruppe ein Foto des Bildes.
Gemalt haben: Annika Bonn, Katrin Cyrys, Dery Duran, Mira Kirchhof, Jennifer Kunze, Ulrike Löschen, Marion Nitsch, Katharina Scherrer, Daniela Schneider, Rimma Schütz, Manuela Horn, Sandra Krämer, Nicole Leger, Annika Over, Aukje Rondorf, Anna Schurich, Sarah Schwärtzler, Maria Bösing, Felicitas Henrich, Robin Rudorf, Tobias Wagner.
Die Leitung des Projektes lag in den Händen von Hedwig Benke und Peter Hacker.
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Stand: 2000-03-30 Hauptseite Aktuelles