Wie kann das Internet in der Schule sinnvoll eingesetzt werden?
Dieter Smolka
(aus: Pädagogische Führung, Heft 4, 2000)
In welchen Zusammenhängen und unter welchen Bedingungen lässt sich das Internet pädagogisch sinnvoll in der Schule und im Unterricht einsetzen? In diesem Beitrag werden einige praxisorientierte Hinweise und Tipps gegeben. Ebenfalls wird gezeigt, dass ein sinnvoller und professioneller Interneteinsatz die Motivation aller Beteiligten stärkt. Empfehlenswerte Homepages für den Schul- und Bildungsbereich werden vorgestellt.
Die Einsatzmöglichkeiten des Internets in der Schule sind:
- Information und Recherche: Informationsbeschaffung thematisch relevanter Materialien (Text-, Bild- und Tondokumente) für die Unterrichtsvorbereitung der Lehrerinnen und Lehrer sowie für den Unterricht der Schülerinnen und Schüler.
- Kommunikation: Austausch von E-Mails mit anderen Internet-Nutzern (Institutionen, Schulen, Klassen) im nationalen und internationalen Rahmen sowie die Teilnahme an Diskussionen über Newsgroups.
- Kooperation: Teilnahme an Internet-Projekten zu schulischen Themen, an denen sich mehrere Schulen, Schulklassen und Kurse im regionalen, nationalen und internationalen Rahmen beteiligen.
- Präsentation: Ergebnisse eines abgeschlossenen Unterrichtsprojektes werden im Internet publiziert. Das WWW eröffnet Schulen und Klassen die Option, ihre Arbeit öffentlicher zu dokumentieren, als dies bisher der Fall war.
1. Information und Recherche
Mit Hilfe des Internets wird zu internationalen Archiven und Experten Kontakt aufgenommen. In Datenbanken wird recherchiert, um naturwissenschaftliche Experimente auszuwerten. Für den Geschichtsunterricht werden via Internet Quellen und Kontakte zu Zeitzeugen erschlossen. Für Politik und Gesellschaftslehre bieten die Homepages der nationalen und internationalen Regierungen, Parlamente und Institutionen wichtige Informationen und authentische Texte. Für den Fremdsprachenunterricht sind die Online-Zeitungen aus den USA, Großbritannien, Frankreich eine aktuelle Fundgrube.
Das Internet bietet Text-, Bild-, Ton-, Filmdokumente, Zahlen und Grafiken, die (zumeist) aktuell, international und interaktiv aufbereitet sind.
Das Internet enthält eine Fülle von komplexen Materialien, die relativ leicht zugänglich sind. Die Homepages enthalten viele Querverweise (Hyperlinks), die per Mausklick zu weiteren themenverwandten Internetseiten und Materialien führen. »Durch die Funktionsvielfalt der Information, Illustration und Simulation werden motivierende neue Lernzugänge erschlossen. Neue Medien sind interaktiv.
Der größte Teil der Informationen ist (noch) kostenlos. Bei einigen Homepages, z. B. bei einigen Online-Zeitungen im In- und Ausland (z. B. New York Times), ist eine kostenlose Erst-Registrierung erforderlich. Der Benutzer hat lediglich die Kosten für den Internetzugang (Provider) und die Telefongebühren zu bezahlen.
Das Internet ermöglicht schülerzentriertes und selbständiges Arbeiten, Die Schülerinnen und Schüler bestimmen die Art und das Tempo der eigenen Lernprozesse weitgehend selbst. Die bei der Recherche gefundene Informationen müssen allerdings mit genauen Fragestellungen gefiltert und strukturiert werden, da ansonsten der Überblick in der Informationsflut verloren geht.2. Kommunikation
Das Internet ermöglicht die effiziente, nationale und internationale Kommunikation zwischen Schulen, Schulklassen und Kursen. So tauschen sich zum Beispiel Schülerinnen und Schüler eines Englischkurses im 9. Jahrgang einer Gesamtschule aus Düsseldorf mit denen einer Highschool in Texas via E-Mail über Schule, Freizeit und Zukunftsprojekte aus. Die rasche und zeitökonomische E-Mail Kommunikation, die »Öffnung des Klassenzimmers nach außen,< verdeutlicht den Schülern ein hohes Maß an Anwendbarkeit der Fremdsprache und Authentizität des Lernens. Das Projekt zeigt, dass das Internet interkulturelles Lernen fördert.
In diesem Schuljahr werden an meiner Schule bereits die 5. Klassen (im Rahmen der Düsseldorfer Netdays) an die E-Mail-Kommunikation (auf Deutsch und in einfachem Englisch) mit gleichaltrigen Schülern im Ausland (z. B. Kanada) herangeführt. Diese Unterrichtsprojekte sind zwar recht aufwendig, zeigen aber einen dauerhaften - Lernerfolg. Die Motivation aller Beteiligten - der Schülerinnen und Schüler, der Lehrerinnen Lind Lehrer - wird dadurch erheblich gesteigert rt.2 Das weltweite Informationsnetz ermöglicht neue Formen des Lernens über Ländergrenzen hinaus. Internationale Schulpartnerschaften per E-Mail schaffen authentische Anlässe für das Erlernen von Sprachen und für das Verständnis anderer Kulturen.
3. Kooperation
Über den reinen Briefkontakt via E-Mail hinaus eröffnet sich auch die Möglichkeit, mit anderen Schulen im In- und Ausland gemeinsam an Projekten und Unterrichtsthemen zu arbeiten. Ein Beispiel für ein solches schulübergreifendes Projekt ist das Thema "Tierschutz Animal Rights" im fortgeschrittenen Englischunterricht. Ausgangspunkt ist der ausgezeichnete Jugendroman von Jean Ure "Who Says Animals Don't Have Rights", über den sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9-11 verschiedener Schulen, z. B. in Deutschland und in England, gemeinsam austauschen können. Hierbei ist es empfehlenswert, auch mit nationalen und internationalen Tierschutzorganisationen per Internet zu kommunizieren. Das Beispiel zeigt, dass durch das Internet
- die kooperativen Arbeitszusammenhänge fachbezogen und fächerübergreifend ermöglicht werden,
- die Eigeninitiative und Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler gestärkt und
- die Motivation aller Beteiligten erhöht wird und komplexe Problemstellungen aus verschiedenen Perspektiven erarbeitet werden.
4. Präsentation
Ergebnisse von Unterrichts- und Schulprojekten, auch Einzelarbeiten und Referate, können im Internet veröffentlicht werden. Der Austausch von Ideen und Materialien kann dadurch verbessert werden. Während sonst die Ergebnisse eines Projektes meist nur einem relativ kleinen Zuhörerkreis präsentiert werden, hat man nun die Möglichkeit, via Internet andere Schulklassen weltweit zu erreichen. So können zum Beispiel Projektergebnisse in der Sekundarstufe 1 und die Jahresarbeiten in der Sekundarstufe 11 im Internet (z. B. auf der Schul-Homepage) publiziert werden. Die Möglichkeit der multimedialen Präsentation von Arbeitsergebnissen auf der Schul-Homepage, fördert die Eigeninitiative und Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler. Diese Form der Präsentation von Schülerergebnissen stärkt die Motivation der Lernenden erheblich.
Diese Präsentation ist allerdings zeitaufwendig. Die Texte müssen mit einer Textverarbeitung erfasst, Bilder und Grafiken digitalisiert und dann in das HTML-Format umgesetzt werden. Hier bietet sich ein fächerverbindendes Arbeiten mit dem Fach Informatik bzw. der informationstechnischen Grundbildung an. Auch können Lernergebnisse mit dem Power-Point-Präsentationsprogramm erstellt und auf der Schul-Homepage dargestellt werden. Nach etwas Einarbeitungszeit können die Schülerinnen Lind Schüler der Sekundarstufe 11 mit PowerPoint z. B. die wichtigsten Aspekte ihrer Jahresarbeit vorstellen.5. Probleme des Internets
Das Internet hat nicht nur Vorteile. Eine unkritische Technologie-Euphorie ist kontraproduktiv. Das Internet birgt auch Probleme, die man als Pädagoge kennen und denen man professionell begegnen sollte: Manche Internetseiten sind zwar optisch gut durchgestylt aber von schlechter inhaltlicher Qualität, andere sind "Datenmüll". Einige Homepages sind zwar aktuell, verschwinden aber so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Es ist zeitaufwendig, aus der Vielzahl der Angebote die wirklich lohnenden und qualitativ anspruchsvollen Internetseiten herauszusuchen.
Was tun? In Computermagazinen und pädagogischen Fachzeitschriften gibt es brauchbare Tipps und Hinweise, welche Internetseiten für bestimmte Themen und Fächer empfehlenswert sind. Der Informationsflut und "chaotischen Kreativität" des Internets sollte man nach Möglichkeit immer mit gezielten und präzisen Arbeits- und Suchaufträgen begegnen. Fehlen konkrete Fragestellungen, besteht die Gefahr, dass die Schülerinnen und Schüler im web surfen aber das eigentliche "Forschungsinteresse" völlig aus den Augen verlieren. Wenn das Surfen im Internet nur mit TV-Zapping verglichen werden kann, dann tendiert der Lernerfolg gegen Null.
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Stand: 2000-12-08 Hauptseite Aktuelles