Performance "Relief"

Im Psychologieunterricht des 12. und 13. Jahrgangs der IGS Bonn-Beuel wurde in mehreren Kursen  den Teilnehmern drei Fragen gestellt, die schriftlich zu beantworten waren:

  • Im Forum der IGS hängt ein massives Objekt. Worum handelt es sich?
  • Aus wie vielen Teilelementen besteht das Objekt?
  • Was thematisiert das Objekt?

Dies erfolgte während der Vorbereitungsphase auf den Projekttag "Schule ohne Rassismus" am 23.11.2000 in der IGS Bonn-Beuel. Herausgefunden werden sollte, ob die SchülerInnen aus Relief bewusst wahrgenommen haben, seine Geschichte kennen. Zugleich sollte eine Diskussionsanlass entstehen.

Bei der Installation handelt es sich um ein von Schülern und den Lehrern Hacker und Wahl erschaffenes Objekt, bestehend aus 12 Betonplatten. Die Betonplatten hängen in einer asymmetrischen Reihenfolge untereinander (5-3-4). Die Installation wurde am 8.11.1988 zum Anlass des Projekttages "Pogromnacht 9.11.1938" im Forum der Schule angebracht.

Das Objekt zeigt thematisch den Bezug zwischen dem Greuel und Elend des Zweiten Weltkrieges und den fremdenfeindlichen und rechtsradikalen Tendenzen, die heute wieder festzustellen sind.

Das überraschende Ergebnis:

Fast alle Teilnehmer gehen täglich an dem Objekt vorbei, nur insgesamt fünf der befragten Schüler/innen hatten es gesehen und darüber reflektiert.

Diesen Ergebnis folgte jeweils der Arbeitsauftrag, mindesten drei psychologische Theorien zu entwickeln, die erklären sollen, weshalb man diese Installation übersieht, obwohl man täglich an ihr vorbeigeht.

Folgende Theorien bieten sich als Ergebnis an:

  1. Die Tiefenpsychologische Erklärung lautet:
  2. Das Objekt wird von uns zwar wahrgenommen, da es aber mit negativen Assoziationen besetzt ist und Inhalte hat, die dem "Ich" nicht gut tun, wird die Wahrnehmung ins Unbewusste verdrängt. Die Verleugnung ist eine Abwehrfunktion des "Ich"s.

  3. Der Kognitivismus könnte das Phänomen so erklären, dass der Schüler, der in die Schule kommt, zu viele Chunks im Gehirn hat (die Anzahl der aufnehmbaren Chunks ist begrenzt), so dass das Objekt nicht ins Kurzzeitgedächtnis und so nicht ins Langzeitgedächtnis gelangen kann.
  4.  

  5.  Wahrnehmungspsychologisch ist es so zu erklären:

a) Bei dem Objekt handelt es sich um "Kunst am Bau" in der unauffälligen Farbe betongrau, die der Betonwand gleicht.

Zudem ist die Wand für ein derartiges Kunstwerk kein guter Platz, um wahrgenommen zu werden. Es hat keine Bedeutung für uns, da es uns nicht gefährdet. Befände es sich am Boden, könnten wir darüber stolpern und wir müssten es wahrnehmen.

b) Dieses Kunstwerk befindet sich in der Schule und Schule verbinden Schüler mit Leistung und deren Bewertung. Da dieses Objekt nicht bewertungsrelevant ist, rückt seine Bedeutung und damit seine Beachtung automatisch in den Hintergrund.

Erstaunt  über das Ergebnis wurde eine Performance geplant. 

Die Umsetzung erfolgte dann in mehreren Schritten:

Das Relief wurde mit einer Digitalen Kamera aufgenommen, die Bilder anschließend zu einer  verarbeitet. Am Projekttag war dann das Relief durch eine schwarzen Plastik-Plane verhüllt und auf eine parallel installierte mobile Projektionsleinwand wurde die PowerPoint Präsentation mittels PC und Beamer fortlaufend abgespielt.

Eine gesteigerte Aufmerksamkeit für das Objekt "Relief" wurde sicher erreicht.

Die PowerPoint Präsentation wurde nachträglich für das Internet  in dynamische Html Seiten umgewandelt.

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Dieter Lochner