Presseberichte

Von der Eröffnung der Ausstellung berichteten der Bonner General-Anzeiger, die Bonner Rundschau und der Express.

Ein Auszug aus dem General-Anzeiger-Artikel:

Wörterbuch mit Romanes "Von A bis Z"
Gesamtschulprojekt über Sinti und Roma - Autorenlesung mit einer Zeitzeugin

Pützchen. "Ich habe nichts gegen den Begriff »Zigeuner«, solange er nicht diskriminierend verwendet wird." Diese Meinung vertritt Natascha Winter von der Sinti-Union Köln. Sie unterstützte in den vier Wochen vor den Osterferien ein Projekt in der Beueler Gesamtschule (IGS), das jetzt mit einer Ausstellung endet. Gestern war Eröffnung im Schulforum.

"Sinti und Roma - Umgang mit Minderheiten in Deutschland" lautete das Thema des fächerübergreifenden Unterrichts, an dem sich vier Klassen des siebten Jahrgangs - insgesamt 120 Schüler - beteiligten. Die Jungen und Mädchen hatten selbst die Idee zum Projekt. Jedes Jahr vor Pützchens Markt fallen ihnen Sinti und Roma auf, die auf einer Wiese neben der Schule lagern. Neugierig geworden forschten einige Schüler nach. Referendarin Claudia Hagen knüpfte daraufhin Kontakte unter anderem zur Sinti-Union, um so eine Unterrichtsreihe vorzubereiten.

"Unser Ziel war am Ende die Zusammenstellung einer Ausstellung", so Hagen. Entsprechend praktisch verliefen die Unterrichtsstunden. In der Gesellschaftslehre erforschten die Schüler die Wanderwege der Zigeuner. Demnach kamen die Sinti im 14. Jahrhundert nach Europa, die Roma später. Ihren Ursprung haben beide Volksgruppen in verschiedenen Teilen Indiens. Die Siebtklässler malten für die Präsentation bunte Karten und zeichneten darin die Wanderwege mit Pfeilen ein. "Die Sinti waren hauptsächlich Musikanten und Schausteller, die Roma mehr fahrende Händler", erklärte Hagen dazu.

Von ihrer schmerzlichen Zeit im Konzentrationslager erzählte die 75jährige Sinti-Frau Philomena Franz auf einer Autorenlesung. "Das war für viele Schüler erdrückend und bewegend", erinnerte sich Hagen. Die Zeitzeugin berichtete bei der Lesung aber auch von ihrer Jugend und daß sie immer gerne getanzt hätte.

Im Deutschunterricht beschäftigten sich die Schüler mit der Sprache Romanes, die sich aus dem indischen Sanskrit entwickelte. Dazu erstellten sie ein buntes Wörterbuch "Von A bis Z". Spannung verbreiteten Jugendbücher wie "Der Wind ist des Teufels Niesen" von Dieter Schenk, in dem der 14jährige Sinto-Junge Merzeli zu Unrecht verdächtigt wird, gestohlen zu haben. So lernten die Schüler den kritischen Umgang mit Klischees kennen. Für die Ausstellung erstellten sie Buchtips und literarische Personenbeschreibungen.

Auch der Technikunterricht unter Leitung von Falk Keuten und Martin Fischer wurde in das Projekt mit einbezogen. Da bauten die Schüler zwei hölzerne Planwagen - sogenannte Wordina - als Modell. Zur Ausstellung, die die 13jährigen Nina, Inga und Jonas stellvertretend für alle Schüler gestern eröffneten, gehören auch Bilder, Fotos, Sachtexte und ein Film mit Tänzen und Ausschnitten aus der Autorenlesung. Das Projekt betreuten außerdem die Lehrerinnen Margret Bonn, Renate Plachetka und Hildegard Luhmer. Die Ausstellung ist für die Öffentlichkeit ab Montag, 21. April, zwei Wochen lang aufgebaut.


Stand: 16.02.1999
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