Der Schüler Mads Lobitz und sein mechanisches Wunderwerk: ein kurioser Lutscherautomat
Es fing alles im 7. Schuljahr an, als ich meinen Schülern im Technikunterricht die Aufgabe stellte, ein mechanisches Kartonbild zu erfinden, bei dem durch einen einzigen Schiebestreifen die ganze Bildszene mit möglichst mehreren sinnvollen Bewegungen lebendig gemacht werden sollte (ähnlich den Pop-Up-Bilderbüchern, aber begrenzt auf "Flachmechanik"). Mads, der sich nie zuvor besonders mit Mechanik beschäftigt hatte, baute völlig selbstständig ein kompliziertes Bild, in dem ein Krokodil aus einem Gebüsch sprang, dabei sein Maul bedrohlich aufsperrt und ein Mensch ängstlich aus einer Mülltonne blickt, deren Deckel sich zuvor hob.
Im späteren Wahlpflicht-Technikunterricht des 9. Schuljahres stand nun das Thema "Konstruktion von Warenautomaten" an, wobei ein Apparat erfunden werden sollte, der durch Einwurf und Prüfung einer bestimmten Münze eine Ware (am besten eine gut stapelbare, quaderförmige kleine Süßigkeit) ausgeben sollte.
Mads wollte aber etwas Rundes verkaufen und nahm als Ware "Lollies". Ich sah dabei die Schwierigkeiten der Stapelbarkeit solch runder Bonbons mit Stiel und die Komplikationen für eine mechanische Ausgabe. Vorsichtig versuchte ich Mads von seinem in meinen Augen unlösbaren Unterfangen abzubringen. Ich unterschätzte da allerdings seine Verbissenheit, mit der er Lösungen suchte, gewaltig...
Wieder suchte er völlig selbstständig schrittweise Lösungen für die vielen Teilprobleme (Münzprüfung/30 Pfg.-Preis, womit die Auslösung erst mit der dritten eingeworfenen Münze passieren sollte/Lutscher-Magazin in Form eines Karussells/Komplizierte Freischaltung, sodass der Lutscher auf einen Ausgabearm fallen konnte und in einer Spiralbewegung zur Entnahmeöffnung des Automaten glitt). Dabei integrierte er noch eine witzige figürliche Apparatur in die Münzprüfung: ein Holzmännchen, durch dessen linkes Bein die "falschen" Münzen in die Rückgabe glitten und die "richtigen" durch das rechte Bein in die Kasse fielen. Beim Start des Automaten streckt das Männchen die Arme und dreht lachend den Kopf zum Beschauer. Das Ganze wurde natürlich nicht im 9. Schuljahr fertig. Mads nutzte im darauf folgenden Schuljahr die Mittagspausen mit meinem offenen Angebot und kam dann auch noch nach seinem Schulabschluss in den Ferien tageweise zu mir in die Schule, um weiter zu bauen.
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Ihm gelang auf Anhieb ein großartiges Werk, dessen Details fast ohne Zeichnungen direkt aus dem Kopf gebaut wurden. Der Wirkungsmechanismus in diesem Automaten ist so komplex, dass er nur durch direkte Anschauung des Bewegungsablaufes – aber immer noch mit einigen Schwierigkeiten – verstehbar wird. Eine sehr einfühlsame Reportage über Mads und seinen Automaten schrieb Silke Elbern am 8.1.2002 im Bonner GENERALANZEIGER mit den hier abgebildeteten Photos von Max Malsch.
Mads, ich danke Dir, dass Du damals meinem Ratschlag nicht gefolgt bist und Deine Sache durchgezogen hast. Alles Gute beim Besuch der Glasfachschule in Rheinbach!
Falk Keuten (Techniklehrer)
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Stand: 2002-02-26 Hauptseite Aktuelles