Tagesberichte 23.9.96 bis 12.10.96

Vorbemerkung

Im 9. Jahrgang machen alle Schüler der Gesamtschule ein Schülerpraktikum. Jeder Schüler versucht selbst, eine Praktikumsstelle zu bekommen. Ich habe mit einem Schreiben vom 5.11.1995 bei der Deutschen Bahn AG in Köln angefragt, ob sie nicht eine Praktikumsstelle hätten. Dir Deutsche Bahn hat mir am 15.03.1996 geantwortet und mir einen Praktikumsplatz zugesagt. das hat mich sehr gefreut. Die Deutsche Bahn, Köln, hat zum ersten Mal einen Praktikumsplatz für Schüler bereitgestellt.

Zur Anreise von Beuel nach Köln wurde mir von der DB eine Fahrkarte zur freien Fahrt geschenkt.


Tagesberichte

Das Praktikum fand in der Zeit vom 23. September bis zum 12. Oktober statt. In dieser Zeit bin ich täglich von Beuel mit der DB nach Köln gefahren. Im folgenden will ich über die einzelen Praktikumstage berichten, besonders über die verschiedene Betriebsstätten, die ich gesehen habe.

1. Woche

1. Tag

Ich machte mein Betriebspraktikum bei der Deutschen Bahn AG. Die DB hat es sich zum Ziel gemacht, Güter und Personenzüge so schnell wie möglich zu befördern.

Ich bin mit meinem Tutor Thomas Wingenroth vom Bahnhof Beuel zum Kölner Hauptbahnhof (Hbf) gefahren. Im Hbf Köln sind wir dann in die S-Bahn, Linie 6, umgestiegen und bis zur Haltestelle Hansaring gefahren. Von dort aus sind wir dann zu Fuß zum Betriebsbahnhof der DB gegangen. Der Betriebsbahnhof steht am Gladbacher Wall. Als wir dort angekommen waren, wurden wir von dem Betriebsleiter, Herrn Deuster, empfangen.

Bevor wir zu den einzelnen Bahnanlagen gegangen sind, haben wir uns vorher die Dienstpläne und die Lokleitstelle angeschaut. Danach wurden uns die Bremsen einer Lok erklärt und abgenutzte Bremsklötze gezeigt. Nach dem Erklären gingen wir in den Führerstand einer Elektrolok Baureihe 110 und haben uns dann die wichtigsten Funktionen erklären lassen. Danach gingen wir zur Schiebebühne. Eine Schiebebühne verschiebt Loks von einem Gleis zum anderen. Wir sind dann mit einer Elektrolok Baureihe 103 auf die Schiebebühne gefahren und haben beim Verschieben den Führerstand gewechselt. Danach hat der Lokführer beim Stellwerk per Zugbahnfunk (ZBF) die angestrebte Bewegung der Drehscheibe angefordert. Im Lokschuppen haben wir eine Dampflok und eine Diesellok besichtigt. Danach ist Thomas Wingenroth zurück gefahren, und ich bin mit meinem Begleiter zur Lokstelle zurück gegangen und bekam einen Dienstauftrag. Mit diesem Auftrag konnte ich während der Zeitdauer meines Praktikums mit jedem Triebfahrzug der DB mitfahren. Danach ging ich zur Lokleitung und bekam mitgeteilt, daß sich der Stadtexpress Nr. 4315 in Warteposition befindet. Ich bin dann mit meinem Begleiter zum Lokomotivführer gegangen und so bin ich dann zum ersten Mal auf einer E-Lok, Typ 110, von Köln-Hbf nach Beuel mitgefahren.

Ich fand den Tag sehr interessant, weil mir soviel erklärt worden ist und ich soviel erlebt habe.

2. Tag

Ich bin um 7:51 Uhr von Beuel nach Köln gefahren. In Köln bin ich dann wieder zum Betriebsbahnhof (Hbf) gegangen. Von dort aus bin ich dann mit Herrn Scruppa mit seinem Dienstwagen zum Betriebswerk (Bw) Deutzerfeld gefahren. Im Bw Deutzerfeld gibt es einen Lokschuppen für Dieselloks und Elektroloks. Nachdem ich dort angekommen war, habe ich Dienstkleidung und einen Schlüssel für den Spind erhalten, um meine Straßenkleidung dort unterzubringen. Die Dienstkleidung hatte ich erhalten, um meine Straßenkleidung nicht dreckig zu machen.

Nachdem ich mich umgezogen hatte, hat ein Techniker an einer Dieslelok, Typ V294, die Rundung des Rads mit einer speziellen Schieblehre vermessen. An dem Rand war ein Zahnkranz befestigt. Ich mußte die Meßwerte aufschreiben, die mir der Techniker genannt hat.

Danach haben Herr Klee, der Gruppenleiter, und der Techniker zwei Fühler ausgetauscht. Diese Fühler fühlen bei ferngesteuerten Dieselloks über ein Zahnrad die Geschwindigkeit. Sie geben dem in die Lok eingebauten Rechner Informationen über die Geschwindigkeit der Lok. Beim funkgesteuerten Fahren der Lok kann der Lokführer bis zu drei Meter neben der Lok herlaufen und sie noch steuern.

Danach haben wir dann eine Testfahrt gemacht und die Lok bei Funkbetrieb getestet. Bei dieser Testfahrt haben wir eine defekte Lok zur Reperatur in das Bw abgeschleppt.

Danach hatte ich Dienstschluß und bin auf der Lok eines Personenzugs vom Kölner Hbf aus wieder nach Beuel gefahren.

3. Tag

Ich bin um 7:16 Uhr ab Beuel Bahnhof in der Lok B110, die den Personenzug gezogen hat, nach Köln-Deutz gefahren und bin dann zum Bw Deutzerfeld gelaufen. Dort habe ich meine Dienstkleidung angezogen. Danach habe ich mit Herrn Klee und einem Techniker der Firma Krauss-Maffei, die das Computersystem in der Lok hergestellt hat, eine Testfahrt auf einer Lok der Reihe V294 zum Deutzer Hafen gemacht. Auf dieser Fahrt sollte das Anti-Blockier-System geprüft werden.

Der Techniker wollte prüfen, wie die Diesel-Lok sich verhält, wenn sie über die Schienen gleitet. Die Lok war mit einem computergesteuerten Gleitschutz ausgerüstet. Der Lokführer, Herr Klee, hat es auf rostigen Gleisen ausprobiert. Nach etlichen Versuchen, die nicht so funktioniert haben, wie es gewünscht war, haben wir es dann aufgegeben. Das Computersystem war jedoch nicht so einfach zu überlisten. Es konnte kein Fahrzustand erreicht werden, bei dem die Lok tatsächlich über eine längere Strecke auf den Schienen glitt.

Nach der Mittagspause hat der Mechaniker, der von Krauss-Maffei aus München kam, den Computer so manipuliert, daß die Lok stark ins Gleiten kam. Daraufhin mußte der Lokführer den Not-aus-Knopf drücken. Im nächsten Versuch haben wir die Schienen mit Schmierseife bestrichen. Diese Teststrecke war etwa 100 Meter lang. Beim ersten Versuch war die Schmierseife abgefahren. Beim zweiten Versuch aber kam die Lok richtig ins Gleiten. Das Ergebnis war, daß der Gleitschutz nicht funktionierte. In den nächsten Tagen sollten die Versuche fortgesetzt werden.

Nach dem Versuch bin ich am Deutzer Bahnhof aus der Lok gestiegen und zum Bonner Hbf zurückgefahren.

5. Tag

Wie am Vortag bin ich wieder nach Köln-Deutz gefahren. An diesem Morgen habe ich zugeschaut, wie Herr Klee mit einem anderen Kollegen versuchte, eine Störung anhand eines Schaltplans Typ 215 zu finden. Es dauerte einen Tag, den Fehler zu entdecken.

Nach der Mittagspause machte ich noch einige Fotos vom Betriebswerk.

6. Tag

Heute fuhr ich zum Bbf 1 am Gladbacher Wall 100. Ich wurde von dort aus zur Abteilung Traktion begleitet. In der Traktion wird der Zuglauf mit Hilfe eines Rechners gesteuert. Auf dem Bildschirm des Rechners wird jeder Zug als schräge Linie dargestellt. Wenn nun der Zug eine Verspätung hat, wird die Linie aktualisiert, so daß immer der aktuelle Fahrweg angezeigt wird.Wenn sich zwei Züge einmal zu nahe kommen, oder ein schnellerer Zug einen langsameren Zug überholen muß, z.B. ein ICE überholt einen Güterzug, dann gibt der Mann, der vor dem Rechner sitzt, die Zugnummer durch und der Mann im Stellwerk stellt dann die Signale. In der Traktion sitzen verschiedene Disponenten. Einer regelt den Güterverkehr, ein anderer den Personenverkehr.

Danach ging ich zum Kölner Hbf und wollte mit den nächsten Stadt Express nach Hause fahren, aber der Lokführer war nicht so freundlich und hat mich nicht mitgenommen. Ich mußte dann noch eine Stunde auf den nächsten Stadt Express warten.

7.Tag

Den Dienstag verbrachte ich im Raum für die Indusi-Zwischenwartung. Herr Rainers hat eine spezielle Ausbildung und nur er darf die Siegel eines Indusi-Wirbelstromschreibgerätes öffnen und reparieren. Nach dem Reparieren werden die Geräte noch einmal darauf getestet, ob der Indusi-Schreibstreifen auch alles aufschreibt.

Am Nachmittag fuhr ich wieder nach Hause.

8. Tag

Heute fuhr ich wieder zum BW. Ich ging in den E-Lok-Schuppen. Dort habe ich zugeschaut, wie die Zahnräder, die sich im Wagenkasten befinden, geschmiert wurden. Die Arbeiter dort benutzten Druckluftschrauber, um die großen Schrauben einer Lok zu lösen. Danach bin ich eine Treppe nach oben gegangen und habe bei Wartungsarbeiten, wie zum Beispiel dem Wechseln abgenutzter Schleifkohlen eines Stromabnehmers zugesehen.

Danach bin ich von Köln aus wieder nach Beuel zurückgefahren.

9. Tag

Auch diesen Tag verbrachte ich im Bw in Deutzerfeld. Direkt nach meiner Ankunft fuhr ich in einer Lok mit, die umgesetzt wurde. Danach habe ich zugesehen, wie Bremsklötze ausgewechselt werden. Außerdem habe ich noch zugeschaut, wie mit Hilfe von Luftdruckschraubern und eines Krans Puffer gewechselt wurden. Da dies mein letzter Tag im Bw war, gab ich meine Dienstkleidung und das Spindschloß ab.

Wochenende

Ich habe am Samstag ein Experiment gemacht. Ich hatte vor, von Bonn nach Osnabrück die gesamte Strecke in der Lok mitzufahren. Also suchte ich mir drei Züge heraus, einen Interregio und zwei Intercitys. Der Interregio fuhr um 7.25 Uhr ab Bonn Hbf, der eine IC zwanzig Minuten und der andere eine Stunde später. Der Lokführer vom Interregio hat mich gleich mitgenommen, nachdem ich meinem Berechtigungsschein vorgezeigt hatte. Der Zug wurde von einer E 110 gezogen. Auf einem Teilstück der Strecke Richtung Düsseldorf fahren ICs 200 km/h schnell.

Am Sonntag bin ich dann in einer E-Lok 103 auf einem Streckenabschnitt zwischen Osnabrück und Münster 200 km/h schnell gefahren. Diese Geschwindigkeit verleiht einem das Gefühl, man säß in einem Flugzeug, das gerade startet. Im Ruhrgebiet muß der Zug mehr Steigung überwinden.

Mit diesem Wochenende habe ich mir ein Traum erfüllt. Einmal in einer E-Lok der Baureihe 103, die einen Intercity-Zug zieht, neben dem Lokführer sitzend über eine lange Strecke, von etwa 260 km, mitzufahren.

10. Tag

Ich bin zuerst nach Köln-Hauptbahnhof gefahren und besprach mit Herrn Scruppa, welche Strecken ich im Führerstand einer Lok mitfahren soll. Ich ging mit Herrn Weiß zur Lok-Wendeanlage, wo ein Stadt Express bereitstand. Ich fuhr mit bis nach Koblenz. In Koblenz haben wir dann mit Hilfe einer Rangier-Lok rangiert. Zu erst hat der Rangierer den ganzen Zug aus dem Bahnhof gezogen. Danach sind wir alleine mit der Lok auf ein anderes Gleis gefahren. In dieser Zeit hat der Rangierer die Wagen auf das richtige Gleis geschoben. Nach dem Rangieren ist Herr Weiß noch bis nach Linz gefahren. In Linz hatte er dann Feierabend und ein anderer Lokführer fuhr dann den Zug weiter nach Köln. Ich bin in Beuel ausgestiegen.

11. Tag

Ich bin heute ins Bw gefahren, um mir eine Strecke für eine Mitfahrt in einer Lok auszusuchen. Ich suche mir die Strecke Köln - Bergisch Gladbach aus. Ich bin zuerst zur S-Bahnstation Hansaring gegangen und habe dort auf die S- Bahn Linie 11 nach Bergisch Gladbach gewartet. In dem Steuerwagen mußte ich stehen, denn es gab da nur einen Sitz für den Lokführer. Der Lokführer konnte an ein paar Stationen auf drei Monitoren sehen, ob alle Türen geschlossen waren oder ob keiner mehr ein- oder ausstieg. In Bergisch Gladbach hat dann der Lokführer die Wendeschaltung, welche von einem Computer gesteuert wurde, ausgeschaltet. Danach sind wir in die Lok am anderen Ende des S- Bahnzuges gestiegen und wieder nach Köln zurückgefahren. Ich bin in Köln ausgestiegen, die S-Bahn fuhr aber noch weiter bis zum Flughafen Düsseldorf.

12. Tag

Heute fuhr ich zum Kölner Hbf. und habe auf einen Stadt-Express (SE) gewartet, der nach Koblenz fahren sollte. Als dann endlich einer kam, hatte ich das Pech, daß der Lokführer nach Oberlahnstein fuhr. So mußte ich in Köln eine Stunde warten, bis ein SE nach Beuel abgefahren ist.

13. Tag

Ich bin mit einem SE zum Kölner Hbf. gefahren und habe dort auf einen SE nach Koblenz gewartet. An diesem Tag habe ich Herrn Schmidt begleitet. In Koblenz haben wir rangiert (ohne Rangier-Lok). Zuerst sind wir mit dem ganzen Zug aus dem Bahnhof gefahren. Danach hat der Rangierer die Lok abgekuppelt und wir sind um den Zug herum gefahren. Wir mußten noch etwas warten bis zur Abfahrt, denn ein paar InterCitys hatten noch Vorrang.

14.Tag

Den letzten Tag meines Betriebspraktikums verbrachte ich wieder im Betriebswerk. Dort hatte ich ein Gespräch mit Herrn Eckel, Herrn Deuster und meinem Betreuungslehrer, Herrn Thomas Wingenroth. Die beiden Herren Deuster und Eckel rieten mir, mich für eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn AG zu bewerben.


Stand: 11.08.1997
Hauptseite Betriebspraktikum E-Mail Aktuelles