GRUSSWORT DES OBERBÜRGERMEISTERS DER STADT BONNLiebe Gäste der IGS Bonn-Beuel,
als Oberbürgermeister der Stadt Bonn übermittle ich meine besten Wünsche zu 25 Jahren gemeinsamem Unterricht an der IGS Beuel - einem ganz besonderen Jubiläum. „Ganz besonders“ auch deshalb, weil ich, wie die meisten von Ihnen ja wissen, die große Freude hatte, zwischen 1996 und 2009 Schulleiter dieser Schule zu sein und gerade, was das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung oder Förderbedarf betrifft, viele Entwicklungen mit gestalten durfte.
Seit 1998 gibt es in jedem Jahrgang sogar zwei Klassen, die dieses Konzept umsetzen. Ich habe es erlebt, wie sich das Wahrnehmen von Andersartigkeit in Neugier auf Vielfalt wandelte. Heraus kam eine erfreuliche „Normalität“ und Wertschätzung im Umgang von Kindern miteinander, aber auch mit Erwachsenen. Auf kaum eine Auszeichnung war ich jemals so stolz wie auf die Anerkennung unserer Arbeit zum gemeinsamen Lernen mit dem Deutschen Schulpreis 2008.
Als Oberbürgermeister der Stadt Bonn betreibe ich eine Bildungspolitik, die eine Kultur der Vielfalt und Chancengleichheit in unserer Stadt anstrebt. Ich setze mich dafür ein, dass unsere Schulklassen so vielfältig sind wie unsere Stadt, in der immerhin Menschen aus 170 Nationen leben. Ich setze mich dafür ein, dass Förderbedarf oder Behinderung kein Ausgrenzungskriterium in unserem Bildungssystem sind. Ich wünsche mir, dass es uns künftig möglich sein wird, an immer mehr Schulen das Konzept eines gemeinsamen Unterrichts zu leben – und ich bin sicher, dass unsere Stadt und unsere Gesellschaft davon nur profitieren können.
GRUSSWORT DES SCHULLEITERS I.V.
Sehr geehrte Damen und Herren
Egal ist nicht normal
Immer wenn Tilmann aus der 6f etwas nicht so richtig versteht oder ihm etwas nicht passt, sagt er im Brustton der Überzeugung „Egal“ … und oft hat er recht.
Er hat nicht immer recht, aber dann, wenn er mit „egal“ egalitär meint, also sagen will, dass es zwar viele Unterschiede gibt, die er nicht so richtig versteht, die ihm aber eigentlich völlig egal, ja gleichgültig sind, dann hat er recht.
Er akzeptiert hier nicht, dass die fiktive Größe „Normalität“, gebildet aus dem Durchschnitt der Unterschiede, als wertender Maßstab an die Ungleichen angelegt wird.
Alle anders – alle gleich.
Ungleichheit, Vielfalt ist das Potential unserer Schule. Zwingt man der Vielfalt der Ungleichen die Einfalt des Normalen auf ist vieles einfach.
Vieles aber geht verloren.
Das fiktiv „Normale“ kann zwar den Rahmen bieten, innerhalb dessen sich die Vielfältigen bewegen, darf aber nicht zum Maßstab werden, an den sie sich anzupassen haben.
Keiner kann alles - jeder kann etwas gut
Und so versucht diese Schule einen Rahmen zu geben für die vielen unterschiedlichen Kinder und Jugendlichen, auch für die verschiedenen Lehrerinnen und Lehrer. Einen Rahmen, in dem sie sich ihrer Unterschiede bewusst werden und ihre Fähigkeiten entwickeln können. Einen Rahmen aber auch, in dem sie lernen, diese Unterschiede zu respektieren, ja zu verstehen, dass diese Unterschiede das eigenen Anderssein wertvoll ergänzen.
Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandeln
25 Jahre GU haben gezeigt, dass man voneinander lernen kann.
Dass soziale Kompetenzen wie Respekt und Rücksichtnahme kognitive Leistung im engeren Sinne nicht nur nicht verhindert, sondern fördern.
Aus dem GU heraus ist eine Vielzahl von Impulsen für die Schulentwicklung gekommen. Teamteaching und Individualisierung des Unterrichts sind nur zwei Beispiele.
GU für Alle
Zum Abschluss sei den Anwesenden aber auch gesagt, dass dies alles nur erfolgreich ist, wenn die Bedingungen stimmen:
Ein ansprechendes Gebäude,
Geld in der Kasse,
Menschen, die ihren Beruf gerne ausüben,
und eine Organisation die passt.
Tür auf, behindertes Kind in die Klasse, Tür zu.
Und alle paar Wochen kommt jemand nachschauen – das hat nichts mit GU zu tun.
Vielleicht denken Sie an diese Feier, wenn Sie sich in den nächsten Monaten an der Debatte um die Inklusion beteiligen.
Ich danke Ihnen für Ihre AufmerksamkeitStefan Ludwig
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