Warschau

Adam-Mickiewicz-Lyceum

Seit mehr als 10 Jahren findet ein regelmäßiger Schüleraustausch statt, an dem sich jeweils Schülerinnen und Schüler unserer Jahrgangsstufe 10 beteiligen.

Aus dem Jahr 1998 berichten Hannah Biedermann und Svende Närdemann

Nach der Bahnfahrt im Liegewagen wurden wir herzlich von unseren Gastgebern empfangen. Der erste Eindruck? Ja, ich kann da nur von mir und den Meinungen einiger Freunde sprechen. Ich empfand alles als sehr groß und laut in Warschau. Wie Großstädte nun mal so sind. Viel Verkehr und Fastfood-Geschäfte bestimmten das Straßenbild; die Einkaufsmöglichkeiten unterschieden sich kaum von denen in uns bekannten Städten. Während der nächsten Tage lernte ich auch schöne Plätze in Warschau kennen, wie z.B. den Marktplatz. Er ist umgeben von alten Häusern mit schönen Fassaden und davor sind viele kleine Cafés.

Der Unterricht in unserer Partnerschule scheint im Vergleich strenger zu sein. Sobald der Lehrer oder die Lehrerin die Klasse betritt, muss Ruhe herrschen und alle stehen auf und begrüßen ihn bzw. sie mit einem mehr oder weniger synchronen "gindobre". Die besten Schulabsolventen werden in der Schule durch Aushang in einer Vitrine vorgestellt. Zu unser aller Erstaunen erfuhren wir, dass die Schüler in der Schule auch lernen, mit der Waffe zu schießen und eine Gasmaske anzulegen. Die Abiturienten tragen Anzug und Krawatte.

Wir besuchten im Laufe der Woche auch Krakau, eine sehr schöne, mittelalterliche Stadt und das in der Nähe gelegene Konzentrationslager Auschwitz. Die Besichtigung war, denke ich, für alle das wichtigste Erlebnis in Polen. Die deutschen und polnischen Schüler wurden in getrennten Gruppen 3 Stunden durch Auschwitz und Birkenau geführt. Obwohl wir durch Lektüre und Filme vorbereitet waren, war es für alle schockierend, direkt vor dem "Tatort" zu stehen, so dass manche sogar weinten. Doch am Abend legten wir die Trauer ab und verbrachten eine schöne Zeit in Krakau.

In Warschau und Umgebung besuchten wir daneben noch den Geburtsort Frederic Chopins, Zelazowa Wola, das Kopernikus Denkmal, das Königsschloss und das polnische Parlament, den Sejm.

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes besichtigten wir das Getto und das ehemalige Gefängnis Pawiak mit seinem Museum und verbrachten den Abend in unseren Familien. Wenn man mich heute fragt, ob sich die Fahrt gelohnt hat, ist die Antwort ganz klar: Ja! Ich lernte neue Leute kennen und schloss Freundschaften. Aber was mir wichtiger war, war das Land Polen und seine Menschen kennenzulernen, die ich als sehr freundlich und offen erlebte. Durch den Austausch erfuhr ich auch von den verschiedenen Verhältnissen, in denen unsere Gastschüler leben. Am wichtigsten war der Besuch in Auschwitz. Dieser Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben; er machte die Austauschfahrt zu einem sehr wertvollen Erlebnis. Ich hoffe, dass wir durch unseren Besuch etwas zur besseren Verständigung zwischen Deutschen und Polen beitragen konnten. Ich kann nur empfehlen, diese Austauschmöglichkeit wahrzunehmen oder privat dieses Land zu besuchen.


Stand: 06.10.1998
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