9. Juni 2005
Die deutsche Scheu vor dem Schulranking
von Torsten Harmsen
Nur 575 von 40 000 deutschen Schulen nahmen teil, Eltern und externe Fachleute wurden nicht zurate gezogen, Lernergebnisse nicht verglichen - dennoch verkauft man die Capital-Studie, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, als bundesweites Ranking "Die 100 besten Schulen".
Dummerweise kann man gar nicht widersprechen, denn es gibt bisher - nach fast vier Jahren Pisa-Rummel - keine bundesweiten Schulranglisten.
So etwas haben bisher weder die Kultusminister noch das Bundesbildungsministerium hingekriegt. Nach schmerzhaften Wehen, in Rangelei mit dem Bund, gelang es den Ländern gerade mal, einige Standards und ein Institutchen zu gebären, das die Qualität in der Bildung verbessern soll, aber nicht viel zu sagen hat.
Doch die Leute wollen endlich wissen, an welche Schulen sie ihre Kinder schicken. Wenn es schon nicht bundesweit geht, dann sollten zumindest in den Ländern Vergleiche stattfinden, auf die man von außen Zugriff hat. Ansätze dazu gibt es - etwa Überlegungen, Vergleichsarbeiten landesweit auszuwerten, die Ergebnisse der Schulen transparent zu machen - verbunden mit einer Darstellung ihres sozialen Umfeldes.
Für ein Ranking braucht es nur wenige, überschaubare Kriterien. In Ontario, Kanada, zum Beispiel bewertet man die Schulen nach der Anzahl der Schüler, die Kernkurse belegen, nach bestandenen Prüfungen und dem erreichten Kenntnisstand in Mathematik oder Fremdsprachen - differenziert nach Jungen und Mädchen. So einfach ist das, wenn man es wirklich will.
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