General Anzeiger
10. Juni 2005

"Siebte" übersprungen, Austausch mit Nazareth: GESAMTSCHULE: 

Stimmen zum 3. Platz in der Capital-Studie "Deutschlands 100 beste Schulen mit gymnasialer Oberstufe".
Schüler und Schulleiter Nimptsch erklären den Erfolg

Von Anja Kiessling

Im Ranking der Capital-Studie "Deutschlands 100 beste Schulen mit gymnasialer Oberstufe" belegte die Integrierte Gesamtschule Beuel (IGS) hinter dem Gymnasium Achern und dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium Halberstadt den dritten Platz (der GA berichtete). 575 Schulen hatten sich beteiligt und wurden nach den Kriterien Schülerbetreuung, Ausstattung, Kursangebot und Kommunikation bewertet. Was sagen Schüler und Lehrer zu diesem Erfolg? Wo speziell sehen sie die Pluspunkte ihrer Schule, in der laut Schulleiter Jürgen Nimptsch vor allem die individuelle Betreuung der Jugendlichen grossgeschrieben wird - nach dem Motto "jeder Schüler ist einzigartig"? Natürlich sind viele Schüler, so auch Saeid (18) aus der Stufe 12, nach der Top-Platzierung "richtig stolz auf unsere Schule". Dem GA erzählen sie, was ihnen an der IGS besonders gut gefällt:

Paul (12) zum Beispiel hatte als "besonders begabter Schüler" durch sukzessive Förderung die Möglichkeit, eine Klasse zu überspringen: "Zuerst bin ich auf Probe in Mathe, Englisch und Französisch eine Klasse höher gegangen, und es hat geklappt", freut sich der Blondschopf, der jetzt Schüler der Klasse 8. 4 ist.

In die achte Klasse geht auch Atiye, die blind ist. Die 14-jährige wollte auf keine Blindenschule und fühlt sich in der Gesamtschule wohl, deren integratives Konzept vorsieht, dass nichtbehinderte und behinderte Jugendliche zusammen unterrichtet werden. "Hier bin ich nicht was Besonderes, obwohl ich spezielle Bücher in Blindenschrift habe", sagt das Mädchen. Atiyes Lieblingsfach ist Französisch.

Die internationale Ausrichtung ist ein weiteres Merkmal der Schule, die mit Partnerschulen in Ländern wie England, Israel, Weissrussland oder auch Guadeloupe Schüleraustausch betreibt. Austauschteilnehmerin Jenny (16) aus der Klasse 10. 3 hat zwei Wochen in der Nähe von Nazareth verbracht: "Eine tolle Erfahrung", schwärmt sie. "Wir waren bei arabischen und jüdischen Gastfamilien und haben uns auf Englisch unterhalten. Die Kulturen sind super unterschiedlich, sie haben aber auch viele Gemeinsamkeiten."

Ob Paul, Atiye oder Jenny - die Gesamtschüler finden, dass sie sich im Unterricht gut auf die eigenen Begabungen konzentrieren können. Sie werden gefördert und auch gefordert. Zum Konzept der individuellen Betreuung gehöre auch, "dass wir versuchen, jeden Schüler zu dem für ihn bestmöglichen Abschluss zu führen", sagt Schulleiter Nimptsch. "Und weil bei uns keiner sitzen bleibt, sparen wir dem Staat 150 000 Euro im Jahr.

"Eine tolle Sache" nannte Bezirksvorsteher Wolfgang Hürter den 3. Platz und fügte hinzu: "Wir waren schon immer stolz auf unsere Gesamtschule. Diese Auszeichnung zeigt nicht nur, dass hier hervorragende pädagogische Arbeit geleistet wird, sondern auch, dass das System Gesamtschule konkurrenzfähig ist."

Ihren 3. Platz feiert die IGS beim Schulabschlussfest am Freitag, 1. Juli

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