9.6.2005Bonner Schulen sind bundesweit spitze
Gesamtschule Bonn-Beuel und das Aloisius-Kolleg belegen in der Skala der 100 besten Schulen Deutschlands den dritten und vierten Rang - Honnefer Hagerhof auf Platz zehn
Von Helmut Herles
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Bonn/Berlin. Trotz des schlechten Abschneidens der Bundesrepublik im internationalen Schulvergleich der PISA-Studien und eines verbreiteten Verdrusses zwischen Lehrern, Eltern und Schülern können viele deutsche Schulen mit besten Noten in diesem Wettstreit bestehen. Zum ersten Mal hat das Wirtschaftsmagazin Capital (13/2005) mit Microsoft Deutschland und dem Bonner Marktforschungsinstitut Europressedienst in Verbindung mit dem Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund eine Bewertung der 100 besten deutschen Schulen vorgenommen. Unter den ersten zehn sind auf Platz drei und vier die Gesamtschule Bonn-Beuel und das Aloisius-Kolleg in Bad Godesberg, auf Platz 10 das Gymnasium Schloss Hagerhof in Bad Honnef.
Nach vier Kategorien - Schülerbetreuung, Ausstattung, Kursangebot, Kommunikation - wurden die deutschen Schulen beurteilt. Der europäische Sieger des PISA-Wettbewerbs, das französische Lycee Rodier, hätte nach diesen Kriterien nur den neunten Platz eingenommen. Insgesamt wurden 3 480 Gymnasien, Gesamt- und Waldorfschulen befragt, von denen 575 Schulen antworteten. Bayern und Nordrhein-Westfalen stehen mit 15 bzw. 16 Schulen unter den 100 an der Spitze der deutschen Länder. Auf Platz drei und vier folgen Niedersachsen mit zwölf und Sachsen mit elf Schulen. Nur Schleswig-Holstein hat keine Schule unter den 100 besten.
Obwohl sich die Kultusminister des Saarlandes, von Sachsen-Anhalt und Thüringen gegen diese Befragung ausgesprochen hatten, nahmen auch einige ihrer Schulen teil. Wobei das Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) den zweiten Platz belegte; nur noch übertroffen vom Gymnasium Achern im Schwarzwald (Baden-Württemberg).
Die Studie verschweigt nicht, dass Deutschland im europäischen Vergleich Nachholbedarf hat, stellt aber auch die besonderen Anstrengungen der deutschen Schulen in der Vielfalt ihres Angebots und der fortschreitenden Erweiterung der Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen zur Computer- und Medienkompetenz als "vierter Kulturtechnik" heraus. Sie ermittelt nicht nur den Vorsprung von Elite-Schulen, welche nicht auf Privatschulen beschränkt sind, sie kümmert sich auch um den Durchschnitt.
In einer deutschen Schulklasse sitzen mit 27 Schülern mehr Schüler als in anderen Ländern in den Klassenzimmern; aber neun von zehn Schulen bieten Berufspraktika und zwei Drittel Bewerbungstraining an. Nach diesem Durchschnittsbild verfügen 40 Prozent der Klassenräume über einen PC, und an einem Drittel der Schulen werden Fremdsprachen von Muttersprachlern unterrichtet.
In der Beueler Gesamtschule mit Schulleiter Jürgen Nimptsch und seinem Kollegium werden die Transparenz der gegenseitigen internen Bewertung von Schülern, Lehrern und des Schulleiters sowie die breite Lernpalette - von der Theater-AG über Computerschulungen bis zum muttersprachlichen Chinesisch-Unterricht - herausgestellt.
Am Aloisius-Kolleg (Ako), einer katholischen Privatschule in Bad Godesberg, punkten besonders die berufsvorbereitenden Kurse, das Angebot von Englisch und Latein, Französisch oder Altgriechisch, Politik und Informatik und einer Volkshochschule für Kinder und Jugendliche, dem Ako-Pro-Seminar.
Schulleiter Bernhard Wissmann war beim Eintreffen der guten Nachricht erst einmal sprachlos: "Der vierte Platz bundesweit, das ist, ohne überheblich zu sein, schon ein Triumph." Am Honnefer "Hagerhof" werden die Berufsvorbereitung, die außerschulischen Arbeitsgemeinschaften, die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Vereinen und Stiftungen besonders hervorgehoben; ebenso die Ausstattung mit Unterrichtsmaterialien und der Zustand der sanitären Einrichtungen.
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